Programm für die Amtszeit 2014 bis 2020

1. Bürgernähe und Beteiligung der Bürger

  • Wir wollen echte Bürgernähe für Karlsfeld.
  • Bei allen wichtigen Entscheidungen sollen Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden. Und zwar von Anfang an, und nicht erst, wenn im Gemeinderat die Beschlüsse bereits gefasst sind.
  • Das Rathaus ist als „Dienstleister“ zu verstehen. Seine Transparenz muss deutlich erhöht werden.
  • Damit wir wissen, wie sich Karlsfeld nach Meinung der Bürgerinnen und Bürger weiterentwickelt, brauchen wir eine Beteiligung von allen. Das muss professionell begleitet werden.
  • Ein Beauftragter im Rathaus soll die Arbeit der Gruppen, die an der Bürgerbeteiligung teilhaben, koordinieren.
  • Auf der Homepage der Gemeinde wollen wir Diskussionsforen zu kommunalen Themen einrichten.
  • Für die künftige Entwicklung unserer Gemeinde soll ein Leitbild erarbeitet werden.

2. Wohnen muss bezahlbar bleiben

Der Druck auf den Großraum München wird in der nächsten Zeit anhalten. Dies hat Auswirkungen auf die Gemeinden im Umland. Karlsfeld muss für alle Einkommensgruppen ein attraktiver Wohnort bleiben. Hohe Mieten dürfen nicht zur Vertreibung einkommensschwächerer Personen führen. Beschäftige in sozialen Berufen, Rentner und Alleinerziehende sind auf günstigen Wohnraum angewiesen.

  • Wir wollen deshalb unseren sozialen Mietbestand sichern und ausbauen. Dies kann Neubau und auch Ankauf von Belegungsrechten sein. Hierzu unterstützen wir die Gründung bzw. das Interesse von Genossenschaften für Karlsfeld. Genossenschaften sind ein Garant für langfristig preisgünstigen Wohnraum und ein guter Schutz gegen Spekulation.
  • Der qualifizierte Mietspiegel wird auch in Zukunft fortgeschrieben werden.
  • Wir wollen die Weiterführung des Einheimischenmodells beim Haus- und Geschosswohnungsbau. Dadurch sollen vorrangig Ortsansässige und deren Kinder preisgünstigen Wohnraum erhalten, Kinderreiche sind besonders zu berücksichtigen.
  • Grundsätzlich soll eine behutsame Entwicklung von Neubaubereichen erfolgen (wie auch im Flächennutzungsplan vorgesehen).
  • Um eine zu starke Flächenversiegelung zu vermeiden und bestehende Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Strom) zu nutzen wollen wir eine Nachverdichtung mit Augenmaß. Durch die geringeren Erschließungskosten können günstigere Preise erreicht werden.
  • Wir wollen ein Modell analog des ‘Münchner Modell’ bei der Ausweisung von neuem Baurecht entwickeln und einführen. Damit würde bei Neubauten ein Anteil an preiswertem Wohnraum entstehen.

3. Mobilität für jedes Alter

Mobilität ist Lebensqualität für alle Altersgruppen. Sie ist Basis des Rechtes auf Teilhabe (kein Luxusgut). Wir wollen Gewohnheiten durch verbesserte Angebote ändern. Alle Verkehrsmittel sind gleichwertig (vom Fußgänger bis zum Auto). Langfristige Lösungen sind nur in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, – und Landkreisen und München möglich. Daher wollen wir:

  • Verkehrsräume sicher, zweckmäßig und freundlich gestalten. Sie sind optisch auf gegenseitiges Wahrnehmen und Rücksichtnahme auszulegen (z.B. verschwenkte Fahrbahnführung, versetzte Parkflächen, unterschiedliche Straßenbeläge/-farben etc.) • aktive Lenkung der Durchgangsverkehre auf der B304 durch Vernetzung der Stauerkennungssysteme mit der Ampelsteuerung
  • Einschränkung der Parkflächen innerorts für gewerbliche Zwecke (Lkw-/Pkw-Handel)
  • den ruhenden Verkehr aktiv lenken (Stellplätze für Pkw und Fahrräder dem aktuellen Bedarf anpassen, Verbesserung des Park an Ride und Park an Bike Angebotes, kommunale Parküberwachung intensivieren). Dazu fordern wir die Erstellung eines Parkraumkonzeptes.
  • die öffentlichen Nahverkehrsmittel (Bus und S-Bahn) nutzerfreundlicher gestalten (mehr Wartehäuschen, elektronische Anzeigen an den Haltestellen, Kommunikation zwischen S-Bahn und Bussen bei Verspätungen damit Anschlüsse gesichert werden). Die Taktzeiten der Busse sind zu verbessern und auf Anschlüsse besser abzustimmen. Der Bereich westlich der Bahn muss dabei mit einbezogen werden. In Nebenverkehrszeiten ist ein Anrufsammeltaxi bereitzustellen.
  • Eine echte Verringerung des Pkw-/Lkw-Verkehrs ist nur durch eine Stadt-Umland-Bahn zu erreichen. Hierzu sind die Planungen durch den Landkreis und MVV wieder aufzunehmen und zu aktualisieren.
  • Für die Fußgänger fordern wir eine barrierefreie Auslegung der Zufahrten, Eingangsbereiche, Verkehrswege (Stolperkanten, überstehende Kanaldeckel etc. systematisch beseitigen)
  • Die vorhandenen Radwege sind schrittweise zu modernisieren, die Randsteine abzusenken, die Breite anzupassen. Die Beschilderung der Radwege ist zu überprüfen. Nach Möglichkeiten sind neue Fahrradwege auszuweisen (evtl. Fahrradstraßen). Um diese zu erreichen wollen wir ein Radwegkonzept entwickeln. Die Fahrradstände innerorts sind zu standardisieren (Modell vor Sportheim)

4. Familien willkommen

  • Attraktive Programme sollen jungen Familien einen Anreiz bieten, nach Karlsfeld zu ziehen.
  • Wir wollen die Gebühren der Kindergarten- und Hortplätze durch Zuschüsse familienfreundlich erhalten und die kirchlichen Kindergärten weiterhin fördern. Die gute Qualität der Einrichtungen muss gesichert werden.
  • Karlsfeld muss sich auf gesellschaftliche Veränderungen einstellen und sein Angebot an die Bürger dieser Realität anpassen. Im Zuge der vermehrten Berufstätigkeit von Frauen erfordert dies die Schaffung eines bedarfsgerechten Angebots von Betreuungsmöglichkeiten der Kinder. Neben der Unterstützung von Tagesmüttern bedarf es auch der Bereitstellung von Krippenplätzen für die Kleinsten.
  • Wir streben eine ausreichende Anzahl und die anforderungsgerechte Ausstattung von altersgerechten Spielplätzen

5. Alter hat Zukunft

  • Das Zusammenleben von Jung und Alt fördern und Senioren aktiv am Gemeindeleben beteiligen ist unser Ziel.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass alle älteren Menschen solange wie möglich in ihrem vertrauten Zuhause bleiben können. Wenn sie Hilfe brauchen, soll diese zunächst in den eigenen vier Wänden geleistet werden. Erst wenn das selbständige Leben in der eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist, soll eine andere Betreuung einsetzen.
  • Wir unterstützen alle Wohnmodelle, die ein betreutes Wohnen und ein Wohnen von mehreren Generationen ermöglichen. Seniorenwohngemeinschaften wollen wir als neue Wohnform besonders unterstützen.
  • Das Projekt der „Seniorenvilla“ muss endlich verwirklicht werden.
  • Die Seniorenarbeit in den Vereinen unterstützen wir.
  • Eine Vernetzung der Senioreneinrichtungen streben wir an.
  • Der neugeschaffene Bürgertreff am Markt soll ein lebendiger Treffpunkt für alle sozialen und politischen Gruppierungen werden.

6. Gemeinde der Kinder und Jugendlichen

  • Wir unterstützen die hervorragende Jugendarbeit der Kirchen, der Vereine und des Jugendhauses.
  • Vor allem unterstützen wir Initiativen und Beteiligungsprojekte, die von den Jugendlichen selbst organisiert werden (z.B. Karlsfeld 2.0).
  • Wir brauchen endlich ein staatliches Gymnasium in Karlsfeld. Ein Grundstück ist bereits vorhanden, das der Alt-Bürgermeister Fritz Nustede bereits bereitstellen ließ.
  • Wir wollen ausreichende echte Ganztagsplätze in den Mittelschulen (gebundene Ganztagsschule).
  • Das Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche muss insgesamt erweitert werden. Auch private Anbieter sind zu unterstützen.

7. Sozialer Zusammenhalt

Die kirchliche Sozialarbeit, die Vereine und Wohlfahrtsverbände leisten bereits hervorragende Gemeinwesenarbeit. Die Kommune darf das nicht weiter als selbstverständlich ansehen. Ehrenamtliche Arbeit ist nicht zum Nulltarif zu haben.

  • Die Leistungen der vielen ehrenamtlich Tätigen müssen daher stärker herausgestellt werden, etwa durch Ehrungen. Wir streben eine jährlich Veranstaltung zur Aufwertung des Ehrenamts an.
  • Wir wollen die Integration unserer nicht-deutschen Kinder stärken, z.B. durch weitere Sprachförderung.
  • Wir brauchen dringend ein gezieltes Programm zur Ausbildungsförderung für benachteiligte Jugendliche.
  • Der barrierefreie Zugang zu allen öffentlichen Einrichtungen muss eine Selbstverständlichkeit werden, die bereits bei der Planung einfließt.

8. Wirtschaft und Gewerbe

Die Lage Karlsfelds ist einmalig. Die Nähe zum Großraum München einerseits und die strategisch günstige Lage zu den wichtigsten Verkehrswegen zu unseren europäischen Nachbarländern andererseits bieten für die regionale Wirtschaft herausragende Chancen.

  • Wir wollen die Ansiedlung innovativer Branchen und Firmen unterstützen.
  • Die Auslastung bestehender Gewerbegebiete muss Vorrang vor Neuausweisung haben.
  • Wir unterstützen ortsansässige Betriebe in ihrer Weiterentwicklung.
  • Wir werden neue Gewerbeflächen bedarfsgerecht entwickeln.
  • Durch die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe sollen mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen.
  • Auf der gemeindlichen Homepage soll mit Unterstützung der Karlsfelder Betriebe eine Jobbörse realisiert werden.
  • Wir streben eine wohnortnahe Versorgung durch den Einzelhandel an.
  • Im neuen zentralen Bereich soll ein attraktiver Wochenmarkt entstehen.
  • Gemeinsam mit den Anwohnern soll der „alte“ Marktplatz neu gestaltet und aufgewertet werden.
  • Die bereits angestoßene Konzeptentwicklung mit dem dazugehörigen Standortmarketing und einem Wirtschaftsförderer wollen wir weiter ausbauen.
  • Die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden muss entwickelt werden. (Stichwort Westallianz)

9. Unsere Heimat soll lebens- und liebenswert bleiben

  • Wir wollen weiter bedarfsgerecht in die gemeindliche Infrastruktur investieren. (wie Kindertagesstätten, Schulen, Freizeiteinrichtungen usw.)
  • Karlsfeld braucht eine umweltschonende Ortsentwicklung (keine weitere Zersiedelung). Karlsfeld muss weiter zusammenwachsen, beispielsweise durch Über- oder Unterführungen.
  • Die Münchner Straße soll als Durchgangsstraße nicht weiter verfestigt werden. (z.B. durch von der Straße abgerückte Bebauung auf der westlichen Seite)
  • Wir wollen wieder Begrünungs- und Gestaltungswettbewerbe mit angemessenen Preisen einführen. (z.B. für Fassaden, Vorgärten)
  • Unsere Verkehrsinseln sollen wieder mit Blumen bepflanzt werden.
  • Wir wollen, dass unsere Brunnen wieder plätschern.
  • Die Kunst im öffentlichen Raum muss gefördert werden.
  • Karlsfeld braucht Ärzte aller Fachrichtungen. (z.B. auch einen HNO Arzt.)

10. Klima- und Naturschutz

  • Unser Ziel ist es, Karlsfelds Fernwärmenetz weiter auszubauen, damit sich möglichst viele Bürger anschließen können. Wir brauchen mittel- bzw. langfristig eine eigenständige, unabhängige Wärmeversorgung, die bezahlbar und umweltverträglich ist. Weg von den fossilen Brennstoffen – hin zu erneuerbaren Energien.
  • Wir stellen uns vehement gegen die EU-Forderung zur Privatisierung von unserem hervorragendem Karlsfelder Wasser.
  • Wir wollen Modelle zur Energieeinsparung und die Nutzung alternativer Energien unterstützen.
  • Die zahlreichen Bäume in Karlsfeld, die unseren Ort auszeichnen, müssen erhalten bleiben. Wir streben eine Baumschutzverordnung an.
  • Die weitere Renaturierung und der Schutz von Wasserläufen soll vorangetrieben werden.
  • Gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden setzen wir uns für die Erhaltung des Dachauer Mooses und des Schwarzhölzls ein.

11. Wo Kultur, Sport und Tradition ihre Heimat haben

  • Nach wie vor fehlt in Karlsfeld ein Saal für kulturelle und soziale Nutzung im Zentrum von mittlerer Größe (für ca. 200 Personen, einschließlich entsprechender Versorgungseinrichtungen).
  • Das Konzept des Sportvereins „TSV 2000“ unterstützen wir nach wie vor.
  • Die Erwachsenenbildung und die Gemeindebücherei sind wesentliche Bestandteile unseres kulturellen Angebots und müssen erhalten bleiben.
  • Die Bilderausleihe (Artothek) soll wieder eingerichtet werden.
  • Wir wollen für Karlsfeld ein umfassendes Konzept, das Karlsfelder Kulturkonzept KaKuKo. Bisher läuft vieles unkoordiniert nebeneinander. Wenn wir ein attraktiver Wohnort mit lebendiger Kultur werden wollen, muss es eine zentrale Anlaufstelle geben, die die Kulturschaffenden unterstützt rund um Organisation und Planung.
  • Ein echtes, tragfähiges Kulturkonzept kann es nur geben über aktive Bürgerbeteiligung.
  • Beim Blick in die Zukunft eröffnen sich viele reizvolle Möglichkeiten, z.B.:
    • ein Tag der Bildenden Kunst
    • ein Straßenfestival
    • Wettstreit Karlsfelder Orchester
    • Filmtag mit Kurzfilmen über Karlsfelder Vereine und
    • Improvisationstheater usw.

12. Finanzen

Karlsfeld hat sich in den Jahren 2008 – 2014 so hoch verschuldet, wie niemals zuvor.

  • Wir fordern ein tragfähiges Konzept zum Schuldenabbau
  • Wir brauchen konkrete Maßnahmen zur Sicherung der Einnahmen aus der Einkommensteuer: z.B. durch attraktive Wohn- Bildungs- und Freizeitangebote.
  • Wir brauchen ebenso konkrete Maßnahmen zur Sicherung der Gewerbesteuer: z.B. durch vorausschauende Standortplanungen.
  • Wir wollen eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an den gemeindlichen Haushaltsplanungen.
  • Wir wollen die Haushaltsplanungen der Gemeinde für den Bürger transparenter machen:
    • Durch das Einstellen der Haushaltspläne und Protokolle auf der gemeindlichen Homepage
    • Durch das Verdeutlichen der Verschuldung und den Auswirkungen des Schuldenabbaus auf der Homepage der Gemeinde; -Wir fordern ein Mehr-Jahres-Investitionsprogramm mit Prioritätensetzung (A,B,C)

Als langfristiges Ziel wollen wir mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam den Gemeindehaushalt aufstellen (Stichwort: Bürgerhaushalt).